Fakten-Check Kunsttherapie: Was stimmt – was nicht?
- 20. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Juli 2025

Kunsttherapie ist ein vielseitiges und wirksames therapeutisches Verfahren, das oft von verschiedenen Vorurteilen und Missverständnissen begleitet wird. Viele Menschen begegnen dem Begriff Kunsttherapie mit einer Mischung aus Neugier und Unsicherheit. Ist das etwas für Künstlerinnen? Muss ich gut malen können? Heißt „Therapie“, dass mit mir etwas nicht stimmt?
In diesem Beitrag nehme ich verbreitete Meinungen und Vorurteile zur Kunsttherapie genauer unter die Lupe.
1. „Für Kunsttherapie muss ich gut zeichnen können.“
🔴 Falsch – Kunsttherapie ist nicht leistungsorientiert, sondern prozessorientiert. Es geht nicht um Kunstfertigkeit, sondern um Selbstausdruck. Selbst mit Strichmännchen oder Kritzeln kann Inneres ausgedrückt werden.
2. „Kunsttherapie ist nur was für Kinder.“
🔴 Falsch – Sie ist für Menschen aller Altersgruppen hilfreich, z. B. auch in der Trauma- oder Trauerarbeit mit Erwachsenen oder im Gerontobereich.
3. „Kunsttherapie ist unabhängig von Sprache und kann auch für Menschen mit Sprachschwierigkeiten hilfreich sein.“
🟢 Richtig – Da das kreative Gestalten im Mittelpunkt steht, können auch Menschen mit eingeschränkten Sprachkenntnissen über ihre Bilder und Objekte kommunizieren und ihrem Inneren Ausdruck verleihen. Sie können gestalterisch Gefühle und Gedanken mitzuteilen, ohne auf Worte angewiesen zu sein.
4. „In der Kunsttherapie lernt man Maltechniken.“
🔴 Falsch – Die Kunsttherapie ist kein Malkurs. Im Mittelpunkt steht nicht das Erlernen von Techniken oder das Malen von schönen Bildern fürs Wohnzimmer. Die gestalteten Werke sind ehrlich und dienen dem Selbstausdruck, nicht der ästhetischen Perfektion. Natürlich dürfen die Bilder der Klient:in gefallen, aber ihr Hauptzweck liegt auf dem inneren Erleben. Und dennoch entwickelt man durch die regelmäßige kreative Tätigkeit ganz von selbst mehr Selbstsicherheit darin, sich künstlerisch auszudrücken.
5. „In der Kunsttherapie muss man über seine Bilder sprechen.“
🔴 Falsch – Man darf, aber muss nicht. Die Begleitung ist individuell und wertfrei. Manchmal ist es gerade wichtig, nicht darüber zu sprechen. Man darf frei entscheiden, wann und ob man bereit ist, über das Bild zu sprechen. Oft bringt der verbale Austausch aber auch Entlastung und Klarheit ins innere Chaos.
6. „Kunsttherapie kann helfen, Gefühle auszudrücken, für die es keine Worte gibt.“
🟢 Richtig – Genau darin liegt ein zentraler Wert dieses Therapieverfahrens. Das Gemalte muss nicht immer sofort oder vollständig erklärbar sein. Oft klärt sich der Inhalt eines Bildes oder die Bedeutung eines Gestaltungselements erst nach und nach, manchmal auch erst im Laufe des therapeutischen Prozesses. Diese zeitliche Entfaltung ermöglicht es, sich Schritt für Schritt dem Inneren anzunähern und neue Einsichten zu gewinnen, ohne dass alles sofort verstanden oder benannt werden muss.
7. "Zur Therapie gehen, bedeutet, dass mit mir etwas nicht stimmt."
🔴 Falsch – Viele schrecken vor dem Begriff „Therapie“ zurück. Dabei kann frühzeitige Förderung der psychischen Gesundheit dabei helfen, mögliche Störungen vorzubeugen. Kunsttherapie ist daher nicht nur wertvoll bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen, sondern unterstützt dabei, Selbstfürsorge zu stärken, gesunde Bewältigungsmechanismen zu entwickeln und Lebensqualität zu verbessern. In der Kunsttherapie unterstütze ich Sie dabei, Ihr Leben bewusster zu gestalten, eigene Bedürfnisse und Grenzen klar zu erkennen und hinderliche Glaubenssätze zu hinterfragen und loszulassen.
Ich hoffe, ich konnte einige Missverständnisse aufklären. Immer wieder erlebe ich, dass Klient:innen zunächst denken: „Mit Kunst kann ich nichts anfangen.“ Doch immer wieder sind es gerade diese Menschen, die in der Kunsttherapie einen wertvollen Zugang zu sich selbst entdecken.
Probieren geht eben über Studieren. :)





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